Inhalt   Die Perlstrickerin

 

 

Vor 100 Jahren, also 1920, war gerade der erste Welt-krieg zu Ende. Die goldenen zwanziger Jahre brachen an, von denen wir heute nur immer die Vorstellung von Lebenslust und CharlestonTanz, Freizügigkeit, Fransenkleider und Zigarettenspitze haben.

Das war auch in den großen Metropolen Berlin, Paris, London und natürlich in New York so. Während in Berlin z.B. sogar eine U-Bahn fuhr, gab es in Göppingen noch die Postkutsche.

Die Wirklichkeit sah vielerorts, vor allem in  der Provinz, anders aus.

Die Menschen hatten ihren Kaiser zum Teufel geschickt, aber das Leben war nicht besser geworden. Obwohl es den industriellen Fortschritt gab, machten die Reparations-zahlungen nach dem verlorenen Krieg der Wirtschaft ordentlich zu schaffen.  Eine Hyperinflation  Leben kostspielig und viele litten an Hunger und Arbeitslosigkeit. Und auch die vielen Kriegerwitwen rangen ums Überleben.

Zum Glück hatten die PerlTaschen in Amerika Hochkonjunktur, und in Schwaben, genauer im Gebiet Göppingen, SchwäbGmünd und Ulm, war das Zentrum der Perlenstrickerei, deren Produkte in die USA exportiert wurden.

Immer mehr, zum Teil erfolgreiche Unternehmer, die durch den Krieg jedoch ihre Produktionsgrundlage verloren hatten, orientierten sich um und stellten Taschen her. Dazu brauchten sie viele fleißige Hände, die in Heimarbeit diese Taschenteile strickten: Die Perlstrickerinnen.

In den Firmen wurden die von Künstlern erstellten Vorlagen auf sog. Patronenpapier = Millimeterpapier übertragen, die Perlfasserinnen fädelten  die winzigen Perlen aus venezianischem Glas auf Seidenfäden und viele Frauen, die Perlstrickerinnen verstrickten dann dieses Material zu Taschenteilen.

In den Firmen wurden die Teile mit Silberbügeln versehen, mit einem feinen Handschuhleder ausgekleidet, und zu Taschen fertiggestellt.

Die Strickerinnen bekamen zwar nur einen sehr geringen Stundenlohn, und es gab auch Abzug bei Ablieferung fehlerhafter Ware, auch Schläge waren keine Seltenheit. Aber so konnten sie zum Lebenserhalt beitragen. Oft arbeiteten sie tagsüber auf den Feldern und nachts, manchmal unter der warmen Bettdecke, an der Strickerei.

Cilly, die Hauptfigur in diesem Buch, möchte eigentlich in ein Lehrerseminar gehen und Kinder unterrichten. Nun, nachdem ihr Vater auch noch stirbt, sieht sie sich gezwungen, Geld für die ganze Familie zu verdienen, so wie es ihre große Schwester Sophie in einem kleinen Schuhgeschäft tut.