Kurzgeschichten - Leseproben

 

 

Corpus Delicius ©Iris Other   (mörderisch)

Georg war ein rechter Langweiler. Er war nur noch mit sich beschäftigt und saß auf seinem Geld. Immer häufiger hatten wir Streit. Ich hasste die Wochenenden, wenn er wieder in seinem Werkkeller saß und herumbastelte. Oder im Blumenbeet den Vergissmeinnicht beim Wachsen zuschaute. Nie hatte er eine Idee, was uns zusammen hätte Spaß machen können. Ich wollte dieses langweilige Leben in diesem gottverlassenen Kaff nicht mehr. Ich wollte in die Stadt, Spaß haben, tanzen gehen, schöne Kleider tragen, Freunde um mich haben. Wie oft hatte ich ihm erzählt, dass ich Veränderung brauchte?!
Nun gut, ich beschloss also, für mich selbst etwas zu verändern. Ohne ihn. Ich brauchte ihn nicht mehr. Ich wolle einen neuen Mann kennenlernen, ausgeführt und begehrt werden. Reisen machen. Geld dann ausgeben, wenn mir danach war. Nicht immer nur -die Kosten klein halten-, wie Georg immer sagte, wenn ich auf meine Bedürfnisse zu sprechen kam.
Er beobachtet lieber sein Geld, wie es von Jahr zu Jahr mehr wurde. Allein die größer werdende Summer auf seinem Konto freute ihn. Dagobert hatte ich ihn zu Anfang unserer Ehe noch liebevoll genannt. Hätte ich ahnen müssen, dass mir diese Knauserei eines Tages nur noch verhasst sein sollte? Und damit das Leben mit ihm dazu? Nur, wie sollte ich mir meine Pläne ermöglichen? Ohne sein Geld konnte ich mir nicht einmal die Bahnfahr in ein schöneres Leben leisten.

Wie werde ich ihn los, überlegte ich, ohne dass ich auf das ganze Geld verzichten muss? Ich werde ihn umbringen müssen, dachte ich eines Morgens, als ich, kurz nachdem Georg aus dem Haus gegangen war, mit meiner Kaffeetasse allein am Tisch sitzen geblieben war.
Gleich am Nachmittag wälzte ich in der Bücherei unseres kleinen Ortes ein dickes Buch. - - -

 
Glühende Lust ©Iris Other      (erotisch)

- - - Heute wollte ich sie endlich ansprechen, mein Entschluss stand fest.-
 - Ich wollte mich endlich an sie heranmachen, sie hier in meinem Garten vernaschen.  Ich  hatte  so  Lust  auf  sie. 

Ich trat näher an sie heran und ihr betörender Duft nahm mir die Sinne. -- Trotz einer gewissen Unsicherheit öffnete ich ihr beherzt das Tor. Stolz lief sie vor mir her. Der Wind zauselte durch ihr lockiges Haar, das heute durch ein kleines Schleifchen gehalten wurde.
Ich konnte nicht anders. Ich neigte meinen Kopf und küsste begierig ihren schlanken Hals.
Sie tat, als bemerke sie es gar nicht. Ich machte mich also noch einmal heran, ..feuriger. Ich spürte ihren Körper. ihre Hitze und merkte, dass auch ich ihr gefiel.
Jetzt gab es für mich kein Zurück mehr. Ich packte sie bei den Schultern, drückte sie ins Gras und glühend und hemmungslos fiel ich über sie her. Ihr Atem wurde schneller und sie stieß kleine, wollüstige Freudenschreie aus, als sie sich fest an mich schmiegte. In meiner Errregung küsste ich sie so heftig, dass ihre Haut zu brennen begann. - - -

 

 Die schwarze Skulptur ©Iris Other      (besinnlich)

- - - Zum -zigsten Mal sah er auf das kleine dezente Schildchen an der rechten oberen Sockelecke.  - - -  Warum hatte der Künstler dieser Figur keinen Namen gegeben, fragte er sich immer wieder. Diese schlanke,  schwarze Gestalt mit den weißen Maserungen war ganz ohne Zweifel eine Katze.  - - -  Grübelnd und abwesend lief er durch die Straßen, jedes Mal einsam und elend, als hätte man ihm ein kostbares Gut genommen.  - - -  nun wollte er auch etwas über den Künstler erfahren, wollte wissen, ob er ihm die Skulptur nicht abkaufen konnte. Er musste diese Katze haben, koste es, was es wolle. - - -"Sie sind mir schon aufgefallen, junger Mann", sagte der Museumsdirektor, nachdem Paul eines Tages sein Anliegen vorgetragen hatte.
"Signore Martello ist ein alter Mann und weil er keine Anverwandten hat, verkaufte er uns viele seiner Werke.
Er wird seine Gründe dafür haben, dass er weiterhin bestimmte Skulpturen und Gemälde in Privatbesitz behält. Aber ich werde Ihnen die Adresse des Herrn Martello geben.. und dann können Sie sich mit ihm in Verbindung setzen. Er wohnt ganz in der Nähe von Florenz."
Nun hob Paul erfreut den Kopf und aufgeregt beobachtete er, wie der Direktor einen weißen Zettel aus einem hölzernen Kästchen hervor nahm und mit großen, geschwungenen Buchstaben eine italienische Adresse aufschrieb. Gleich am nächsten Tag reichte Paul seinen Urlaub ein, packte ein paar Sachen in eine Tasche und fuhr am frühen Morgen des folgenden Tages los. - - -



  Lebensspiegel ©Iris Other      (nachdenklich)

Er saß da und wartete auf ihn.  - - -   verlor sich immer wieder
in Gedanken von der Gegenwart in die Vergangenheit  - - -   
War das tatsächlich schon über zwanzig lange Jahre her, ..dass er mit Marietta zusammen war?  Marietta - seine ganz große Liebe.  - - -   Plötzlich meinte er, einen jungen Mann im Spiegel zu sehen. Aber als er sich  umschaute, sah er keinen weiteren Gast hier im Café. Er war allein mit der Schönen, dort hinter
der Theke. - - - Dieses Warten! Er hasste es. Schon als Kind wurde er vom Vater immer wieder gescholten, wenn der ihn
mit an den See zum Angeln genommen hatte und er sich bald
zu langweilen begann. Er hatte einfach keine Geduld. - - -

  

 Der Mann in Schwarz  ©Iris Other   (Schillernd)

„Ich muss, muss fort – !”, sagte er nur kurz, fast verstört, als ich an seinen Tisch kam und ihn nach der Uhrzeit fragte. Erst dann zog er seine Uhr aus der Westentasche und gab mir die Auskunft, um die ich ihn gebeten hatte.
Jeden Morgen begegnete ich ihm hier in dem kleinen Früh-stücksbistro. Nie sprach er mit den anderen Gästen
. Er war immer schon da, wenn ich kam. Stand an einem der hohen Tische, las die Zeitung und trank ein wenig hastig seinen Espresso. Durch seine schwarze Kleidung und sein langes, lockiges Haar war er mir gleich am ersten Tag aufgefallen.
Ich wollte mehr über diesen ungewöhnlichen Mann wissen,
und an diesem Morgen folgte ich ihm, kaum dass er aus der
Tür verschwand. - - -